Hamburg - Teneriffa

 

15.10.2009 - an Bord gehen im Hafen des Vereins Clipper DJS e.V. in Hamburg

17.10.2009 - ablegen vom Sandtorkai in Hamburg

18.10.2009 - Helgoland

24.10.2009 - Cherbourg

27.10.2009 - Brest

02.11.2009 - Leixoes (POR)

05.11.2009 - Cascais (POR)

09.11.2009 - Funchal do Madeira

13.11.2009 - Santa Cruz de Tenrife

 

19.10.09

 

Wir sind losgefahren! Haben abgelegt in Hamburg und sind jetzt für 6 einhalb Monate weg. Weg von Deutschland, weg vom organisierten, bürokratischen Leben, weg von Familien und Freunden. Es ist unglaublich und erst ganz langsam sickert diese Erkenntnis in mein Gedächtnis. Ich kann es immer noch nicht glauben. Ein halbes Jahr lang das machen, was ich schon immer gewollt habe. Meinen Traum verwirklichen. Segeln und fremde Kulturen kennen lernen...

Unter Motor sind wir also die Elbe runtergefahren. Ich hatte Wache von 19.00-23.00, es war bitterkalt aber sternenklar. Wunderschön. Da die Tide umsprang und somit die Ebbe gegen uns stand, ankerten wir ein Stück nördlich von Glücksstadt und konnten schon gegen 22:30 ins Bett, während die nächste Wache die Ankerwache übernahm. Um 4:00 morgens wurde ich von der rasselndenm Ankerkette geweckt. Wir gingen ankerauf in Richtung Helgoland.

25.10.09

 

Cherbourg. Der erste Stopp seit einer Woche auf der stürmischen Nordsee und dem etwas ruhigeren Ärmelkanal. Gestern gegen 15:00 konnten wir im Ausguck durch den Nebel die ersten Silhouetten von Cherbourg ausmachen. Der erste Eindruck war trist. Hochhäuser ragten heraus, vorgelagert standen alte, heruntergekommene Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Da meine Wache für das Achterdeck zuständig ist, ging ich nach hinten, um zu schauen, ob noch etwas zu tun war. Meine Wachführerin hatte irgendein Problem beim Steuern, sodass ich -nachdem ich Niederholer und Dirk des Großsegels betätigt hatte- ans Ruder ging. So kam es, dass ich diejenige war, die den ersten Hafen "abroad" ansteuerte. Neben mir stand unser Maschinist Dieter. Wir beide setzten die Kommandos Heiners (Kapitän) um und steuerten so um die kleinen Felsen, bevor wir in der geschützten Bucht waren. Genau in diesem Moment durchbrach die Sonne den Nebel.

 

Beim ersten Landgang gestern abend stellten Isa, JUlia und ich fest, dass der erste Eindruck vom Wasser aus doch ein bisschen falsch war. Es gibt viele kleinere Plätze zwischen den Straßen der Altstadt, noch kleinere Gassen zwischen alten Häusern, Brunnen und jede Menge geschlossene Geschäfte.

Zu siebt haben wir unser erstes Internetcafé aufgesucht. Mit drei Laptops hat jeder reihum seine Mails gecheckt...

Ich bin froh, dass wir morgen wieder weitersegeln und Cherbourg verlassen. Es war schön, nett, aber jetzt ist es Zeit, die Leinen wieder loszuwerfen. Das ist Reisen. Unterwegs sein, ein paar Tage an einem Ort sein, Neues erkunden und dann weiter fahren.

28.10.09

 

Brest hat mich schon abends beim Einlaufen hellauf begeistert. Letztes Tageslicht, das Anlegemanöver klappte schon sehr gut, nur hatte ich absolut nichts zu tun und fühlte mich überall im Weg. Dafür hatte ich Zeit genug den Hafen zu betrachten. Wir machten hinter dem grün-orangenen Trimaran groupama fest, gegenüber lag ein Open 40 und überall Yachten. Hoch darüber thront "le château" - ein Bild, dass man so schnell nicht vergisst.

im Hafen von Brest

31.10.09

 

Der Atlantik hat uns. Lange Dünung, Rollen des Schiffes. Hier werden wir also die nächsten Monate verbringen. Atlantic Ocean. UNglaublich.  Um uns herum nichts außer Wasser, bis Amerika herüber, 2000m Tiefe. Wir haben noch 120sm bis Cap Finisterre. Seit Brest motoren wir, durchqueren die Biskaya ohne Segel. Das soll einer verstehen... Aber es baut sich ein Sturmtief auf, das uns nicht einholen soll. Wir haben Wind von vorne, müssten folglich kreuzen, was unseren Weg auch noch mehr als verdoppeln würde.

Ich habe heute Backschaft. Eine passende Beschreibung: Backschaft bei Seegang - Lebensgefahr in der Biskaya. Überall flogen Schüsseln rum, der Kuchen auf dem Blech lag schon fast auf dem Boden, das gerade gespülte Besteck kippte auch herunter und das ganze noch auf ausgekipptem, rutschigen Öl.

 

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Delphine. Wir haben die ersten DElphine gesehen! Gestern morgen schon mal kurz, aber dann bin ich wieder runter in die Kombüse gegangen. Aber heute morgen während einer nass-feuchten 16-19 Wache kamen sie wieder. Weiße Bäuche, ansonsten grau. Sie umspielten unseren Bug, begleiteten uns eine Zeit lang, sprangen auf der einen Seite aus dem Wasser, tauchten unter dem Boot durch und auf der anderen Seite wieder auf. Es ist richtig neblig draußen und alle 5min. tutet unser Nebelhorn, den Ausguck könnte man auch bleiben lassen.

8.11.09 

 

Ich liebe den Atlantik! Diese lange Dünung, das kalkulierbare Rollen des Schiffes, das blaue Wasser. Ab und zu weiße Schaumkronen, langsam ist kein Ölzeug mehr nötig. Während ich nach meiner 5-8 Wache in meine Koje gefallen bin und wie ein Stein bis 5 vor 12 geschlafen habe, haben die anderen Wachen die Segel geborgen. Wir nähern uns Madeira.

vor Anker auf Funchal do Madeira
Ansteuerung Teneriffa
Santa Cruz de Tenerife

15.11.09

 

Teneriffa. Der Kontrast könnte kaum größer sein: karge Landschaft, Berge, braun ragen sie spitz in den Himmel. Dann die Stadt Santa Cruz de Tenerife. Modern, Hochhäuser, leut, groß. Touristisch.

Freitag nachmittag sind wir angekommen. Nachdem alles aufgeklart war, gab es Abendessen, anschließend Landgang. Auf dem Schiff machte sich eine Ruhe breit. Die erste Etappe ist geschafft! Der letzte Stopp vor drei Wochen Wasser. Gemischte Gefühle. Eigentlich nur positive. Wir schlenderten abends einmal durch die Fußgängerzone, die allerdings sehr (!!) touristisch voll ist, holten uns ein Eis für 1,50€ die Kugel... und saßen kurze Zeit an einem großen, angelegten teichähnlichen Gewässer. Langsam kühlte sich die Luft ab. Tagsüber haben wir hier in der Sonne mindestens 25°C. Kurz bevor wir absolut übermüdet zur Johnny zurück kehrten, haben wir noch eine Gasse gefunden, die vom Tourismus weitgehend verschont geblieben war.

 

Der nächste Vormittag war heiß und windstill. Groß und Schoner mussten gewechselt werden, damit die recht neuen Segel über den Atlantik nicht beansprucht würden. Und die Sonne knallte bei unserem Arbeiten auf den Asphalt der Pier...