How to...deal with emergency cases

Sicherheit an Bord eines Minis

“Was machst du im Seenotfall?”. Das ist wohl die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, über die man ungern nur nachdenkt, auf die man aber unbedingt eine Antwort haben sollte.

Der Classe Mini liegt die Sicherheit auf den Minis besonders am Herzen und es gibt viele Richtlinien und Regeln. Vor jeder Regatta kommt ein Classe Mini-Vertreter an Bord um jedes Ausrüstungsteil mit Hilfe einer Liste (s.u.) penibel zu überprüfen: es wird kontrolliert, ob eine der drei Taschenlampen eine Blitzlicht-Funktion hat und ob man die Rettungsinsel alleine in 10 Sekunden einsatzbereit hat. Sicherheitscontainer mit Seenotraketen und Notfall-Wasser werden verplombt; UKW-Funk, Licht und AIS werden getestet.

 

Die Ausrüstungsgegenstände, die zur Sicherheit an Bord meines Minis beitragen, werde ich nun etwas genauer unter die Lupe nehmen:

 

(c) blondsign by Eike Schurr
(c) blondsign by Eike Schurr
  • Dreifarbenlaterne im Masttop

  • Ein Radarreflektor soll mehr Sichtbarkeit auf den Radaren der vorbeifahrenden Schiffe geben

 

 

 

 

Der Kiel (inkl. 1m² um den Kiel herum) und die Ruder müssen in fluoreszierendem gelb, orange oder pink gestrichen werden. So soll das Boot nach einer eventuellen Kenterung von oben besser sichtbar sein.

 

  • In rot oder orange muss die Bootsnummer im Bugbereich an Deck aufgemalt werden. So soll die Identifizierung des Bootes aus der Luft erleichtert werden.

  • „Lifelines“ (starke Textilleinen) führen auf beiden Seiten des Decksaufbaus von achtern nach vorne. Dort kann ich mich mit meinem lifebelt (Sicherungsgurt) einplicken: beim Solo-Segeln ein Muss, nachts oder wenn man nach vorne muss sowieso.

  • Bilgepumpe: innen und außen gibt es jeweils eine Bilgepumpe. Bei Wassereinbruch oder wenn eine Welle unter Deck geschwappt ist, kann so das Wasser schnell außerbords gepumpt werden.

  • Rettungsring (buoyancy): laut Classe Mini-Regeln muss der Rettungsring ein Licht, einen Treibanker und eine Pfeife haben.

  • Rettungsleine (recovery sling): auf dem Foto nicht sichtbar ist eine 30m lange, schwimmende Leine, die an Bord befestigt ist. Daran wiederum ist eine Rettungsschlaufe befestigt, mit der eine über Bord gegangene Person wieder geborgen werden kann.

 

  • Rettungsinsel: innen hinter der Sicherheitsluke liegt die Rettungsinsel (mein Modell ist eine SeaSafe für 4 Personen), die im Notfall sowohl von außen rausgezogen, als auch von innen rausgeschoben werden kann.

  • dan buoy: die am Rettungsring befestigte Boje soll (bei Zweihand-Regatten) hinterhergeworfen werden wenn jemand über Bord geht und so die Suche erleichtern.
  • recovery line: eine Leine am Heck erleichtert den Einstieg ins Boot vom Wasser aus.
(c) LENZ Rega-Port
(c) LENZ Rega-Port

 

Außerdem nicht fehlen dürfen an Bord:

  • Überlebensanzug (der TPS der Marke Guy Cotten wurde mir freundlicher Weise von LENZ Rega-Port zur Verfügung gestellt)
  • 1 Rettungsweste/Person und eine Ersatzweste mit min. 150N, Blinklicht, Spraycap, Schrittgurt (Danke an Spinlock!)
  • 1 Lifebelt/Person (Rettungsgurt)

Kommunikation eines Seenotfalls:

 

Außer den visuellen Wegen der Alarmierung im Seenotfall mit pyrotechnischen Seenotsignalmitteln, Handzeichen, Notflaggen usw. kann ich auf meinem Mini per UKW-Funk, durch das Auslösen meiner EPIRB oder meines AIS einen Seenotruf absetzen.

  • UKW-Funk: Der Ultra-Kurzwellen-Funk hat eine Reichweite von etwa 20sm (37km), über einen Distress-Knopf kann an alle Schiffe und Stationen in dieser Reichweite direkt meine Position, meine Bootsidentifikation und die Art des Seenotfalls übermittelt werden. Mitten auf dem Atlantik werden aber nicht viele Schiffe innerhalb dieser Reichweite sein...
  • EPIRB (emergency position indicating rescue beacon): Manuell ausgelöst sendet die auf mein Boot registrierte Seenotfunkbake 48h lang über Satellit auf der Notfrequenz 406MHz ein Notsignal an maritime Rettungsleitstellen (Rescue Coordination Center). Die Benachrichtigung dauert 5-90 Minuten. Die Rettunhsleitstellen leiten eine Such-und Rettungsaktion ein und können mit Schiffen in meiner Umgebung Kontakt aufnehmen. Zur Peilung durch Rettungshubschrauber oder –schiffe kann die EPIRB auf 121,5MHz ebenfalls ein Signal senden und so das Auffinden erleichtern.
  • PLB (personal locator beacon): Das Alarmierungssystem ist das gleiche wie das einer EPIRB, nur dass die PLB viel kleiner und handlicher ist, an der Rettungsweste befestigt wird und auf die Person (und nicht auf das Boot) registriert wird. Wenn jemand über Bord geht, wird sie ausgelöst.
  • AIS (automatic identification system): Viele Boote sind mit AIS ausgerüstet, für uns Minis ist ein AIS ab Regatten der Kategorie B Pflicht. Auf einem Display werden die AIS-Signale aller umliegenden Schiffe (und oft auch großer Seezeichen) mit Position, Entfernung und Geschwindigkeit angezeigt. So kann man sicherer navigieren, weiß z.B. ob der Passierabstand zu einem Frachtschiff ausreichend ist oder wie schnell die anderen Mini-Segler fahren. Auch im Internet (www.marinetraffic.com) können die meisten der AIS-Signale verfolgt werden. Da das Senden und Empfangen über zwei Funkkanäle erfolgt, ist die Reichweite ähnlich wie die des UKW-Funks.
  • Personal-AIS: Ein Personal-AIS ist ebenfalls wie die PLB auf eine Person registriert und nicht auf ein Boot. Sie wird an der Rettungsweste getragen und kann manuell und/oder automatisch ausgelöst werden wenn man über Bord geht. Die Alarmierung erfolgt an alle Schiffe in AIS-Reichweite. Da man zu diesem Zeitpunkt aber meistens im Wasser liegt, übersteigt die Reichweite selten 4sm. Das Personal-AIS ist also gut geeignet für größere Crews oder bei Fahrten in Küstennähe. Vielen Dank an FT-TEC, die mich mit einem Personal-AIS von Seaangel ausgerüstet haben und bald das erste kombinierte PLB/Personal-AIS auf den Markt bringen werden. Ich werde es für euch testen!

Für mich persönlich ist Sicherheit an Bord vor allem beim Einhandsegeln mit das wichtigste Thema. Rettungsweste trage ich immer, ebenso wird der Lifebelt sofort eingeplickt sobald ich ins Cockpit gehe. Segelsachen lasse ich auch beim Schlafen an, sodass ich im Notfall sofort raus kann.


Download
Liste eines Sicherheitschecks bei Regatten der Classe Mini
Schaut gerne mal rein wie ein solcher Sicherheitscheck vor den Regatten abläuft und was alles gecheckt wird.
Je nach Regattakategorie sind mehr oder weniger Sachen erforderlich, hier eine Liste für Kategorie B und C.

Kategorie D: küstennahe Tagesregatten
Kategorie C: Regatten bis zu 500sm
Kategorie B: Regatten ab 500sm
Kategorie A: Regatten ab 1000sm
controle_secu_MAP_MF_2017_v0.pdf
Adobe Acrobat Dokument 789.2 KB