Das Boot

Die Bootsklasse Mini 6.50 ist vor allem in Frankreich stark verbreitet, aber auch in Deutschland freut sie sich wachsender Beliebtheit. Es sind hochseetaugliche Boote, die sich mit 6,50m Länge zwar noch wie Jollen verhalten, aber alles dabei haben was man für eine Atlantiküberquerung braucht. Komfort sucht man aber vergeblich: als Toilette dient ein Eimer, Dusche, Küche oder Bett sind nicht vorhanden und das Essen besteht aus gefriergetrocknetem Tütenessen. Eine weitere Besonderheit der Classe Mini ist die fehlende Kommunikation und die Navigation ohne elektronischen Kartenplotter. Lediglich GPS, UKW-Funk und Papierseekarten sind erlaubt.

Jede Saison finden etwa 15 Regatten statt, die hauptsächlich in der Biskaya und auf dem Mittelmeer ausgetragen werden. Der Höhepunkt ist die im zweijährigen Turnus stattfindende Mini Transat, eine Solo-Atlantiküberquerung in zwei Etappen.

Die Regatta hat den meisten bekannten Offshore-Seglern als Sprungbrett für ihre weitere seglerische Karriere gedient. Auch die beiden aktuell erfolgreichsten deutschen Hochsee-Regattasegler, Boris Herrmann und Jörg Riechers, haben vor einigen Jahren an der Mini Transatteilgenommen.

Mein Boot mit der Bootsnummer 982 ist vom Typ Wevo 6.5, ein in Italien vom Architekten Oris D’Obaldo und seinem Büro Skyron gezeichneter und von Cima Boats in Grosseto gebauter brandneuer Serienmini aus dem Jahr 2019.

Die Wahl des richtigen Yachtdesigns war zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung alles andere als einfach. Tendenziell geht diese bei den Minis immer mehr zu einem voluminösen Bug, einem so genannten „scow bow“, der dem vorderen Bereich des Bootes mehr Auftrieb verleihen soll und sie somit vor allem auf den Raumwindkursen noch schneller werden lässt.

Der Wevo hat einen runden Bug, der vom Volumen her zwischen dem der Pogo 3 und des Maxi liegt. Man könnte ihn als „semi-scow“ bezeichnen. Hierdurch erhoffe ich mir neben einer hohen Performance beim Reachen auch gute Geschwindigkeiten bei Leichtwind und an der Kreuz. Dadurch ist das Design nicht so extrem wie beispielsweise der Maxi 650 und wird auch bei leichtem Wind und tiefen Vorwindkursen punkten. Stark ausgeprägte Chines, markante Knicke im unteren Teil des Rumpfes, sorgen besonders im hinteren Bereich für eine Rumpfform, bei der die benetzte Fläche auf allen Kursen identisch bleibt. Alles ist auf absolute Gewichtsoptimierung ausgelegt. Die einzelnen Teile werden im Infusionsverfahren hergestellt. Das heißt, dass das Laminieren der Glasfasermatten nicht per Hand geschieht, sondern das Polyesterharz (vorgegeben durch die Klassenvorschriften) mittels Vakuum gleichmäßig in die Verstärkungsfasern gezogen wird. Hierdurch wird die Struktur leichter bei gleichzeitig besseren Festigkeitseigenschaften. Aufgrund der zahlreichen Reglementierungen der Classe Mini muss die Rumpfschale mit einem massiven Laminat ausgeführt werden, während beim Deck eine aufwändigere Sandwichkonstruktion verwendet wird. Ein im Laminat befindlicher Schaumkern mit sehr geringer Dichte sorgt bei diesem Verfahren für eine sehr leichte Bauweise mit hohen Steifigkeiten.